Bio
Jon Dahl ist Performer und Theater- und Tanzpädagoge. Aufgewachsen in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Minnesota, entwickelte er früh eine Leidenschaft für Musik und Theater, die ihn später zum Tanz und zur Performance führte. Er studierte Theaterwissenschaften und Germanistik am Macalester College in Saint Paul, Minnesota, und schloss anschließend ein Masterstudium in Performance Studies an der Universität Hamburg ab.
Über mehrere Jahre war er in den freien Tanz- und Theaterszenen von Minneapolis und Hamburg als Performer, Choreograf und Dramaturg tätig. 2016 gründete er die Tanzkompanie Spaceheater mit. Parallel zu seiner künstlerischen Arbeit unterrichtete er an vier unterschiedlichen Schulen in Minnesota, Hamburg und Berlin und sammelte dabei umfangreiche pädagogische Erfahrung. In seiner Praxis verbindet er künstlerische Prozesse mit Fragen des sozialen Miteinanders, des kulturellen Austauschs und der individuellen Ausdrucksmöglichkeiten.
Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in Tanz, Theater, Improvisation sowie sprachlicher und kultureller Vermittlung. Besonders prägend ist für ihn die Kontaktimprovisation – als künstlerische Praxis und als Möglichkeit, körperliche Wahrnehmung, Kommunikation und gemeinschaftliches Handeln zu erforschen.
Jon lebt mit seinem Partner in Berlin. Er spricht Englisch, Deutsch und Portugiesisch, spielt Klavier, praktiziert Yoga, schwimmt und ist leidenschaftlicher Onkel von fünf Kindern.
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Artist's Statement
Tanz und Theater eröffnen Räume, in denen wir uns selbst und andere anders erfahren können – körperlich, emotional, intellektuell und sozial.
Mich interessiert vor allem, was entsteht, wenn Menschen zusammenkommen, um sich auszudrücken, einander wahrzunehmen und gemeinsam etwas Neues zu erproben. In solchen Begegnungen wird das komplexe Zusammenspiel der Kräfte und Beziehungen erfahrbar, die unser Zusammenleben prägen: Bewegung, Resonanz, Emotionen, Sprache, Logik und Ideen.
Insbesondere fasziniert mich die Kontaktimprovisation. In ihr verdichten sich für mich grundlegende Fragen des Miteinanderseins: Wie hören wir einander zu? Wie reagieren wir aufeinander, ohne die eigene Autonomie aufzugeben? Wie entstehen Möglichkeiten, die keine einzelne Person allein hätte hervorbringen können? Begegnung ist immer auch körperlich. Wir beeinflussen einander, verändern unsere Wahrnehmung und schreiben uns gewissermaßen in die Erfahrung des Gegenübers ein.
Ich verstehe künstlerische Praxis als ein Experimentierfeld für das Verhältnis von Ich und Wir, Autonomie und Abhängigkeit. Wir sind von Anfang an aufeinander angewiesen. Zugleich müssen wir immer wieder aushandeln, wie wir miteinander leben wollen. Mich interessiert Kunst, die diese Spannung nicht auflöst, sondern produktiv macht – Kunst, die Fürsorge, Zuhören und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper als Voraussetzungen gemeinsamer Erfahrung ernst nimmt.
Diese Auseinandersetzung führt mich immer wieder zu meiner eigenen Rolle als Mann. Ich möchte durch Tanz und Theater Räume eröffnen, in denen wir gewohnte Vorstellungen von Männlichkeit spielerisch hinterfragen und neue Möglichkeiten des Mannseins entdecken können. Mich interessiert, wie befreiend es sein kann, starre Rollenbilder hinter sich zu lassen, ohne die Freude am Mannsein aufzugeben – und wie wir dadurch neue Formen von Verletzlichkeit, Fürsorge und Verbundenheit miteinander erproben können.
Künstler*innen sind für mich weniger Vorbilder als Possibility Models – ein Begriff, den ich von der Schauspielerin Laverne Cox übernommen habe. Mich interessiert das Potenzial der Kunst, neue Formen des Denkens, Fühlens und Handelns vorstellbar und erfahrbar zu machen. Ob sie dabei unmittelbar gesellschaftlich interveniert oder sich zweckfrei entfaltet, ist für mich kein Widerspruch. Ich möchte Weltbezug und Freiheit, Narrativ und Abstraktion nicht als Gegensätze verstehen, sondern als eine Palette künstlerischer Möglichkeiten.
Kunst kann uns helfen, die Welt zu verändern. Sie kann uns aber auch ermöglichen, anders in ihr zu sein. Beides beginnt für mich mit der Bereitschaft, uns aufeinander und auf das Unbekannte einzulassen.
Bio
Jon Dahl is a performer, dancer, actor, and dance & theatre educator. Growing up in a small town in Minnesota, he developed an early passion for music and theatre, which later led him to dance and performance. He studied Theater and German Studies at Macalester in Saint Paul, Minnesota and later recieved a Master's Degree in Performance Studies from the University of Hamburg.
For many years he was active in the independent dance and theatre scenes of Minneapolis and Hamburg as a performer, choreographer, dramaturg, and actor. In 2016 he co-founded the company Spaceheater. Alongside his artistic work, he taught at four different schools in Minnesota, Hamburg, and Berlin, gaining extensive experience in education. His work brings artistic processes into dialogue with questions of social togetherness, cultural exchange, and individual expression.
His areas of focus include dance, theatre, improvisation, and linguistic and cultural education. Contact improvisation has been particularly influential in his work, both as an artistic practice and as a pathway for exploring embodied awareness, communication, and collective action.
Jon lives in Berlin with his partner. He speaks English, German, and Portuguese, plays the piano, practises yoga, enjoys swimming, and is a devoted uncle to five children.
Artist’s Statement
Dance and theatre open up spaces in which we can experience ourselves and others differently – physically, emotionally, intellectually, and socially.
I am particularly interested in what emerges when people come together to express themselves, attune to one another, and explore something new together. In such encounters, we can experience the complex interplay of forces and relationships that shape how we live together: movement, resonance, emotions, language, logic, and ideas.
One of my greatest passions is Contact Improvisation. For me, it brings fundamental questions of being together into focus: How do we listen to one another? How do we respond to one another without relinquishing our own autonomy? What possibilities emerge that no single person could have brought into being alone? Every encounter is also physical. We influence one another, transform our perceptions, and, in a sense, inscribe ourselves into the experience of the other.
I understand artistic practice as a space for experimentation with the relationship between self and community, autonomy and interdependence. From the start to the end of life, we depend on one another. At the same time, we must continually negotiate how we want to live together. I am interested in art that does not resolve this tension but makes it productive – art that takes care, listening, and engagement with our own bodies seriously as prerequisites for shared experience.
This inquiry repeatedly brings me back to my own role as a man. Through dance and theatre, I want to create spaces in which we can playfully question familiar ideas of masculinity and discover new possibilities for what it means to be a man. I am interested in how liberating it can be to leave rigid gender roles behind without giving up the joy of being a man – and in how we can explore new forms of vulnerability, care, and connection together.
For me, artists are less role models than possibility models – a term I have embraced from the actress Laverne Cox. I am interested in art’s potential to make new ways of thinking, feeling, and acting imaginable and tangible. I see no contradiction between art that engages with the world and art that asserts its autonomy. I want to understand social engagement and artistic freedom, narrative and abstraction, not as opposites but as a palette of artistic possibilities.
Art can help us change the world. But it can also enable us to inhabit it differently. For me, both begin with a willingness to open ourselves to one another and to the unknown.